post-title Hessische Mundart im tiefsten Russland: „Hinterländer Mountainbiker“ zeigen Film 2020-02-11 23:05:54 yes no Geposted von Kategorien: Ideen, mundart_news

Hessische Mundart im tiefsten Russland: „Hinterländer Mountainbiker“ zeigen Film

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Die Verblüffung der weitgereisten Radler war groß, als sie – fast 3.000 Kilometer von zuhause entfernt – begrüßt wurden wie in der Heimat: „Genn Dach“, hallte es ihnen im Gottesdienst in Saratow freundlich entgegen. Die „Hinterländer Mountainbiker“ sind bei ihrer jüngsten Geschichts-Reise durch Russland und Kasachstan auch auf Dialekt gestoßen, der einmal aus dem Hinterland an die Wolga gekommen ist und sich gut gehalten hat. „Auf den Spuren der Wolgadeutschen“ ist der Titel ihres Filmes, den sie am Freitag, den 21. Februar, in Eibelshausen, im Bürgerhaus (Jahnstraße 3), zeigen.

Seit 1992 sind Harald Becker, Matthias Schmidt (beide Angelburg), Jörg Krug (Steffenberg), Siegfried Pitzer (Biedenkopf-Wallau) und Ulrich Weigel (Eschenburg-Roth) auf dem Bike unterwegs und wollen „Geschichte (er)fahren“. Die fünf Freunde haben schon viele geschichtsträchtige Touren unternommen. So waren sie in England auf Bonifatius‘ Spuren, wie Hannibal über die Alpen, sie radelten in China, Namibia, Brasilien, Japan und in den USA – immer mit einer besonderen Geschichte im Hintergrund und im Hinterkopf.

Für die zweiwöchige Abenteuertour durch Russland und Kasachstan war das quirlige Quintett zwar „nur“ rund 600 Kilometer im Sattel, aber die Vorbereitungen nahmen zwei Jahre in Anspruch. Wenn das Team heute in dem 40-minütigen Film in Moskau auf dem Roten Platz losradelt, machen sich die Zuschauer keine Vorstellung von Aufwand und Akribie. Unterstützung bekamen die „Zeitreisenden“ von Bosch. Das Unternehmen hat in Breidenbach und Eschenburg Mitarbeiter, die zuvor in Russland Standorte aufgebaut haben. Weltweite Kontakte helfen.

Mit dem Nachtzug nach Kasan führte die Tour die Wolga entlang über Engels und Samara, wo viele Wolgadeutsche lebten, bis nach Kasachstan. Dabei waren die Fünf auf den Spuren von Menschen, die Ende des 18. Jahrhunderts aus dem Wetzlarer Raum, aus Marburg, Dahmshausen, Buchenau, Biedenkopf, Treisbach und Roth an die Wolga übersiedelten, dem Ruf von Katharina der Großen folgend und oft auch der Not gehorchend. Die Geschichte der Familie Engels war dabei ein Beispiel für viele Schicksale.

Neben den Spuren der Vergangenheit fanden die „Himobiker“ auch Belege dafür, wie sich Hinterländer Platt in Russland gehalten hat. Es gab zwei Premieren bei diesem Projekt: Die „Himobiker“ waren erstmals mit E-Bikes unterwegs, was bei einer Flugreise ein Abenteuer für sich ist. Und die Erfahrungen wurden erstmals selbst in einen Film gepackt, den sie nun – zusammen mit einer Broschüre – präsentieren. Der Film „Auf den Spuren der Wolgadeutschen“ zeigt am 21. Februar in Eschenburg das Ergebnis dieser Histo(u)rie.

In Eschenburgs Ortsteil Simmersbach, wo die Radler manches Mal zum Rasten einkehrten, spielt auch die Geschichte der nächsten Tour: Wie vor 22 Jahren schon einmal soll der Weg von Landgraf Philipp gefahren werden, der den „Großmütigen“ 1552 aus der Gefangenschaft in Brüssel heim brachte. In Simmersbach hat der Landgraf wieder den Boden seines Hessenlandes betreten. Zur Erinnerung wurde dort die Philippsbuche gepflanzt.

Los geht die Präsentation von Film und Projekt „Auf den Spuren der Wolgadeutschen“ am 21. Februar um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Plätze können reserviert werden über www.hinterlaendermountainbiker.de im Internet und per E-Mail. Gastgeber ist der Kulturkreis Eschenburg-Dietzhölztal, der unter www.kked.de zu finden ist.